Samstag, 6.11.2021       19:30-22:00

Am letzten Abend des Festivals stehen noch einmal Dialog und die Begegnung zwischen sehr unterschiedlichen Individuen im Zentrum: Menschen mit einer Beeinträchtigung tanzen im Duo mit professionellen Tänzer*innen, Kinder und ältere Menschen treten in ein tänzerisches Gespräch. Junge Frauen setzen sich mit dem Werk einer historischen Tänzerpersönlichkeit auseinander. Zum Abschluss tanzt eine grosse Gruppe in einem dynamischen Spannungsgleichgewicht, getragen von den Stimmer zweier Sänger*innen. Die Gruppen stammen aus Genf, Fribourg, Lugano und Bern.  

 

Jeden Abend begleiten verschiedene Menschen das Publikum von Stück zu Stück und bilden eine Brücke zwischen Bühne und Zuschauerraum. Heute: Michelle Stainbrook, Maturandin und Hobbytänzerin


ENSO

compagnie dansehabile, Genf-Genève

Photocredit : Elisa Murcia / Jean-François Veuve

Tänzer*innen : Luca Formica, Léa Kybourz, Maud Leibundgut, Simon Ramseier, Niels Vossenberg 

 

Choreographie : Caroline de Cornière

Musik : Sylvain Fournier

Kostüme : Aline Courvoisier,

Licht : Jean-Michel Carrat

 

45 min


In der japanischen Kalligrafie ist das Enso ein Tuschebild, das einen Kreis aus einer einzigen Linie darstellt. Es drückt den endlosen Kreislauf des Lebens aus: „Kreis des Lebens, Kreis der Unendlichkeit, Kreis der Einfachheit, Kreis des Anfangs". Dieser kreisförmige Pinselstrich ist nicht vollständig geschlossen. Der Pinselstrich lässt immer eine kleine Öffnung, die die Öffnung des Geistes symbolisiert.
Drei Duos arbeiten an der Begegnung dieser beiden Körper in einem kalligrafischen Raum auf dem Boden, ein Tänzer mit einer Behinderung auf dem Kreis und ein professioneller Tänzer als Fixpunkt und dann umgekehrt, und schließlich zwei Tänzer mit einer Behinderung in einem Duo. Die Besonderheit des Enso besteht darin, dass es nicht geschlossen ist, sondern einen Raum der Begegnung, des Kontakts und der Durchdringung der äußeren und inneren Welt zulässt. Indem ich mich vom Enso inspirieren lasse, möchte ich an einer choreografischen Schrift arbeiten, die wie eine Kalligrafie ist, einfach und übersichtlich, kraftvoll und direkt, körperlich und abstrakt. Auch die Ästhetik des Stücks ist davon durchdrungen, raffiniert und zart. Ziel dieser Reise ist, das wahre Zentrum, den wahren Sinn zu finden, der sich niemals auf einen selbst beschränkt, sondern auf das Zusammentreffen zweier Körper, zweier Individualitäten, zweier Sichtweisen/Lebensweisen. Der menschliche Weg ist unvollkommen: Deshalb ist das Enso ein offener Kreis. 
Der Mittelweg ist eine ständige Bewegung um ein zu suchendes Zentrum, ein zu suchendes Zentrum im eigenen Körper, im Herzen der Begegnung.   

Verein dansehabile
Im Jahr 2001 wurde der Verein dansehabile von Marc Berthon und Nathalie Tacchella mit dem Ziel gegründet, eine innovative Tanzpraxis zu fördern und Schulungen und kreative Aktivitäten anzubieten, die eine gegenseitige Integration und einen Austausch zwischen Tänzern mit und ohne Behinderung ermöglichen. 
Die Besonderheit des Vereins ist die Mischung aus Menschen mit geistigen, körperlichen und sensorischen Behinderungen, mit Amateuren und Profis aus den Bereichen Tanz, Theater und Musik. 
Diese pädagogische und künstlerische Struktur, ein Pionier in der Westschweiz, bietet eine neue Form der Integration durch den kreativen Akt und die Bewegung.

 

Mit Unterstützung vom Kanton Genf. Dansehabile ist ein gemeinnütziger Verein.


PERSONA GRATA

PERSONA GRATA, Fribourg

Photocredit: Christian Glaus

Tänzer*innen : Anne-Francine Auberson, Carlo Baechler, Nelson Baechler, Rachel-Rose Baechler, Rolande Baechler, Aurore Dumas, Valentin Dumas, Eugénie Fasel, Astrid Kaiser Trümpler, Baptiste Margueron, Sandrine Margueron, Martin Pidoux, Rosalie Pidoux, Manon Trümpler

 

Choreographie : Joëlle Dumas et Léa Iannone

Musik : Arnold Antoine

Produktion : Eugénie Fasel

 

15 min


PERSONA GRATA ist eine zutiefst menschliche Performance, die die Entwicklung einer Gruppe von Menschen hinterfragt, die mit der Ankunft von Neuankömmlingen konfrontiert sind. Auf einer Restaurantterrasse tauchen die Tänzer spielerisch in die Haut der Gäste ein. Jeder von ihnen beobachtete und integrierte die Gesten seiner Figur und ließ sie dann zu abstrakten getanzten Bewegungen werden. Die Begegnungen zwischen diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten und ihren jeweiligen Bewegungsqualitäten sind die Grundlage für die Entstehung der Choreographie.

 

Das Projekt PERSONA GRATA zielt darauf ab, die Unterschiede zwischen Tänzerinnen und Tänzern im Alter von 6 bis 76 Jahren aufzuzeigen. Jeder bringt eine persönliche Note ins Bild und bereichert die Aufführung mit seiner eigenen Lebenserfahrung in Bewegung.

Die meisten der Tänzerinnen und Tänzer hatten noch nie zuvor zusammen getanzt, und eine große Neugier sowie eine subtile Qualität des Zuhörens ermöglichten es ihnen, diese Aufführung zu gestalten. 7 Monate lang improvisierten, fantasierten und tanzten sie zusammen, um eine Choreografie zu präsentieren, in der jeder eine wichtige Rolle spielt.

Der Pianist auf der Bühne spielt auch eine Rolle und ist ein integraler Bestandteil der Tanztheateraufführung.

 

www.dansecontemporaineromont.ch

Trailer

 

Wir danken der Schule für Zeitgenössischen Tanz in Romont für ihre finanzielle Unterstützung und dem Verein PRO28 für seine Produktionshilfe.


ISHTAR’S JOURNEY INTO HADES

QUANTIC MOVEMENT YOUTH COLLECTIVE, Lugano

Photocredit : Christian Glaus

Tänzer*innen : Mia Ostinelli, Sophie Papais, Lavinia Pedrini, Myriam Perrottet, Gador Ropero, Anna Kiskanc 

 

Choregraphie : Nunzia Tirelli

Live-Musik : Anna Kiscanc

Video, Photographie : Giona Beltrametti

Projektverantwortung : Mattia Cantoni

Bühnenbild : Antonella Tomaino

Kostüme : Franca Marta Tomaino 

 

15 min


Das Stück zeigt die mythische Figur der Königin Ishtar und ihre Anhänger beim Abstieg in die Unterwelt. Das Werk befasst sich mit Themen wie Materialismus, Verlust der Seele und dem physischen und emotionalen Kampf, um sich selbst wiederzufinden. Die mit Ornamenten und Gewändern geschmückte Königin legt diese an jedem der sieben Tore ab, um die Unterwelt zu betreten, bis sie nackt am Tor des Hades steht - eine Wahl ohne Wiederkehr. 
Laban setzt diese Ideen in Archetypen und Traumsymbole um. Er beschreibt, wie Ischtar nicht den Schmuck und die weltlichen Kleider wegwirft, sondern die Krone des Stolzes, den Mantel der Heuchelei, das Zepter der Gewalt, die Halskette der Eitelkeit, den Schleier des Egoismus und den Gürtel der Feigheit durch einen edlen Tanz läutert. 

 

Die Neuinterpretation von Rudolph Labans Tanzwerk „ISHTAR'S JOURNEY INTO HADES" aus dem Jahr 1914 wurde im Rahmen des Projekts „kulturerbe, tanz!" realisiert und finanziell unterstützt. Die 2. Ausgabe des Festivals kulturerbe, tanz! findet im April und Juni 2022 in zwei Theatern statt: THEATRE LA POSTE / Visp und DAMPFZENTRALE / Bern www.kulturerbetanz.ch

 

„QUANTIC MOVEMENT YOUTH COLLECTIVE" ist ein Projekt, das 2018 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, jungen Künstlerinnen und Künstlern sowie Laien Zugang zur Welt der Live-Performance zu verschaffen und in Zusammenarbeit mit etablierten Choreografinnen und Choreografen der Schweizer und internationalen Szene konkret auf der Bühne aufzutreten. Das Projekt bietet jungen Künstlern die Möglichkeit, durch einen professionellen Ansatz in die Erarbeitung neuer Tanzstücke einzutauchen. 

 

https://www.instagram.com/quantic_movement 

 

Die Gruppe dankt: Kulturerbe Tanz! Festival (Ko-Produktion), Teatro Delle Radici Lugano, Concreta Teatro Mendrisio, Monte Verità Ascona, Franca Marta-Tomaino, Giona Beltrametti


InTension

Lisa Lareida, Bern

Photocredit : Phil Wenger

Tänzer*innen : Simona Attanasio, Irina Beutler, Petra Gerber, Anna Lena Jahn, Sabrina Jud, Sarah Elena Liechti, Regula Mahler, Leonardo Mayorga Sanchez, Diana Ott, Mara Peyer, Nicole Pfister, Ronald Peter, Ilaria Rabagliati, Fernanda Ramos, Giulia Spada, Petra Stillhard, Claire Vionnet, Vanessa Wüst, Julie Zehnder 

 

Konzept, Produktion, Regie & Choreografie : Lisa Lareida

Co-Choreografie : Nina Stadler

Live-Musik : Andreas Lareida, Feranda Ramos

Produktionsleitung : Sarah Elena Liechti

Styling : Jamina Dersvishaj 

 

20 min


In „InTension" tauchen 19 Tänzer*innen in die Thematik der Tensegrität. Sie setzen sich mit einem System auseinander, in dem feste Teile durch elastische Züge im Spannungsgleichgewicht miteinander verbunden sind. Die Tänzer*innen lassen normalerweise verborgene Züge erkennen und bewegen im Verlaufe des Kurzstücks zunehmend komplexere Systeme. Dabei initiiert, trägt und beendet der ausschliesslich aus zwei Stimmen kreierte, live vorgetragene Soundtrack die Tensegrität. Das kontrastreiche Zusammenspiel zwischen Bewegung, Musik und Raum erlaubt ein mehrdimensionales Erleben von „InTension". 

 

Für ihr Kurzstück „InTension“ arbeitet die Berner Choreografin Lisa Lareida mit Menschen zusammen, die das Leben durch Bewegung erforschen, gestalten und erzählen. Die Gruppe besteht aus 17 Frauen und drei Männern, darunter sieben professionell Tanzschaffende sowie zwei Musiker*innen. 

 

www.lisalareida.ch 

 

Die Gruppe dankt: Kultur Stadt Bern